Skills, Projects, Custom GPTs, Agenten – was ist das und wann nutze ich was?

TL;DR? Warum Sie trotzdem weiterlesen sollten

In Besprechungen taucht es auf. In Newslettern. Auf LinkedIn. Irgendwer erwähnt immer ein neues KI-Format, das angeblich alles verändert. Erst waren es die Chatbots. Dann Custom GPTs. Dann Projects. Dann Agenten. Und jetzt posten alle über Skills.

Wer sich im KI-Dschungel zurechtfinden will, ohne jeden Monat von vorne anzufangen, braucht keine weiteren Hype-Artikel. Sondern eine ruhige Kartografierung des Tool-Geländes.

Die gibt es hier.


Warum gerade alle über Skills reden

Am 16. Oktober 2025 führte Anthropic — das Unternehmen hinter dem KI-Modell Claude — offiziell sogenannte Agent Skills ein: wiederverwendbare Pakete aus Anweisungen, Skripten und Ressourcen, die Claude automatisch lädt, wenn sie für eine Aufgabe relevant sind.

Ein früher Anwender berichtete von einem achtfachen Produktivitätsgewinn: Ein Finanzworkflow, der früher einen Tag dauerte, ließ sich plötzlich in einer Stunde erledigen.

Das klingt beeindruckend. Und es ist auch ein interessantes Konzept. Aber es löst kein völlig neues Problem. Die Grundfrage — wie man KI-Unterstützung wiederholbar, effizienter und auf wiederkehrende Aufgaben zugeschnitten macht — wird schon seit Längerem auf verschiedene Arten beantwortet. Custom GPTs bei ChatGPT, Projects bei Claude und Mistral, jetzt Skills. Wer diese Entwicklung verstehen will, muss zuerst verstehen, worum es bei all diesen Konzepten wirklich geht.


Das Grundproblem: Warum normales Chatten allein nicht reicht

Wer eine KI wie ChatGPT regelmäßig nutzt, kennt die Reibungsverluste. Man beginnt einen neuen Chat — und muss dem Modell wieder erklären, in welchem Kontext man arbeitet, welche Hintergrundinformationen relevant sind, welche Formatierung man bevorzugt.

Bei gelegentlichen Fragen ist das kein Problem. Bei wiederkehrenden Aufgaben kostet es Zeit, Präzision und — seien wir ehrlich — irgendwann auch die Motivation. Und wir träumen doch alle von Agenten, die uns Arbeit abnehmen, ohne dass wir ständig neu erklären müssen, was zu tun ist.

Führende Anbieter haben das erkannt. OpenAI, Anthropic und Mistral entwickeln seit 2023 zunehmend Wege, wie Nutzerinnen und Nutzer KI-Unterstützung personalisieren, strukturieren und wiederverwendbar machen können. Das Ergebnis ist eine wachsende Landschaft an Unterstützungsformen — die allerdings selten systematisch erklärt wird.


Die fünf Unterstützungsformen im Überblick

Bevor man entscheidet, was man braucht, hilft eine klare Übersicht. Im Wesentlichen gibt es fünf Kategorien:

Normales Chatten ist die Basis. Man stellt eine Frage, bekommt eine Antwort. Kein Kontext, der über das aktuelle Gespräch hinausgeht. Schnell und flexibel — aber ohne Gedächtnis oder Wiederverwendbarkeit. Memory hält zwar rasant Einzug in die Chatbot-Welt, also die „Erinnerung“ von Gesprächsinhalten über den aktuellen Chat hinaus, der Kontext wird also manchmal doch mitgenommen. Manchmal? Ja, das ist das Problem und daher sind die nachfolgenden Tools eben auch so interessant.

Projects (Projekträume) sind abgeschlossene Arbeitsbereiche mit eigener Chat-Historie, Wissensbasis und dauerhaften Anweisungen. Verfügbar bei Claude, ChatGPT und seit Juli 2025 auch bei Mistral Le Chat. Man lädt Dokumente hoch, definiert den Kontext einmalig — und alle Gespräche innerhalb des Projekts profitieren davon. Der Vorteil: Man weiß genau, welche Dokumente aktiv sind. Nichts passiert ohne das eigene Wissen.

Custom GPTs und spezialisierte Assistenten sind konfigurierbare Assistenten, die man einmal einrichtet und dann gezielt aufruft. Custom GPTs bei ChatGPT sind das bekannteste Beispiel — ohne Programmierkenntnisse erstellbar, von einfach bis erstaunlich komplex skalierbar. Was Custom GPTs von allen anderen Formaten unterscheidet: Sie lassen sich an Dritte weitergeben oder öffentlich zugänglich machen. Kein anderer Anbieter bietet das in dieser Form. Wichtig für kostenlose Nutzer: Wer ChatGPT kostenlos nutzt, kann Custom GPTs anderer verwenden, aber keine eigenen erstellen. Das Erstellen erfordert ein kostenpflichtiges Abo. Wer vorkonfigurierte CustomGPTs für unterschiedlichste Aufgaben ausprobieren oder auch nur bequem nutzen möchte, hier liegt meine umfangreiche Agenten-Sammlung aus CustomGPTs und Claude-Skills.

Skills sind Anthropics jüngstes Konzept: wiederverwendbare, modulare Fähigkeitspakete, die Claude automatisch lädt, wenn sie zur Aufgabe passen — oder die per Slash-Befehl gezielt aufgerufen werden. Sie gehen technisch tiefer als ein Prompt und können Anweisungen, ausführbaren Code und Referenzmaterialien enthalten. Anthropic liefert eigene vorinstallierte Skills direkt mit, etwa für PowerPoint, Excel oder Word.

Ein Hinweis aus der Praxis: Da Claude selbst entscheidet, wann ein Skill relevant ist, ist das Ergebnis nicht immer so verlässlich wie bei einem bewusst aufgerufenen Custom GPT. Das gilt vor allem für Skills, die nicht von Anthropic sondern von einem selbst order von Dritten erstellt wurden. Triggern die Skills aus ihrerm Aufbau Claude nicht richtig, springen sie entweder falsch, unzuverlässig oder auch gar nicht an. Skills sind gerade hipp und cool, für sehr spezialisierte Teilaufgaben können Skills auch sehr sinnvoll sein — als Standardwerkzeug für den Arbeitsalltag sind aus meiner Sicht die „guten alten Custom GPTs“ oder Claude Projects in den meisten Fällen aber die robustere Wahl.

Agenten und agentische Workflows schließlich sind KI-Systeme, die nicht nur antworten, sondern selbstständig Ziele verfolgen, Schritte planen und Aufgaben eigenständig abarbeiten. Oft sind das mehrstufige Prozesse, in denen KI-Modelle mit externen Tools und Datenquellen zusammenarbeiten. Laut Gartner werden bis 2028 etwa 33 Prozent der Unternehmenssoftware agentische KI integrieren.


Der direkte Vergleich

DimensionNormaler ChatProjectsCustom GPTsSkillsAgenten
Wie starte ich?Direkt, spontanBewusster EinstiegGezielt aufrufenAutomatisch oder /NameSystemseitig
KontrolleVolle KontrolleHohe KontrolleHohe KontrolleMittlere KontrolleGeringe Kontrolle
Kontext-ErhaltNur im ChatJa, im ProjektJa, in KonfigurationWird bei Bedarf geladenVariiert
Technik-Know-howKaumKaumWenig bis mittelMittel bis hochHoch
Wer kann es nutzen?AlleAlle (Free: 5 Projekte)Nutzung für alle, Erstellen für zahlende Abo-NutzerAlle Claude-NutzerMeist Fortgeschrittene

Projects: der unterschätzte Dauerbrenner

Eine kurze Anmerkung, bevor Skills als das neue Nonplusultra abgefeiert werden: Claude Projects sind laut Anthropics Help Center „abgeschlossene Arbeitsbereiche mit eigener Chat-Historie und Wissensbasis“. Bezahlte Pläne schalten zusätzlich RAG (Retrieval Augmented Generation) frei — das erweitert die Kapazität für Projektwissen erheblich.

Mistral Le Chat hat im Juli 2025 mit einer eigenen Version von Projects nachgezogen: gruppierte Chats und Dokumente in kontextreichen Arbeitsbereichen.

Für viele Mittelstandsunternehmen, die KI gerade erst sinnvoll in den Arbeitsalltag integrieren, sind Projects der nächste konsequente Schritt — ohne dass man sofort in technische Tiefen einsteigen muss.


Was kann ich als kostenloser Nutzer nutzen?

Eine Frage, die mir in der Praxis häufig gestellt wird, hier übersichtlich beantwortet:

ChatGPT Free: Nutzen von GPTs aus dem Store oder aus Links möglich (z.B. meine, die über dem Link oben aufgelistet werden und aufrufbar sind), Erstellen eigener GPTs ist nicht möglich.

Claude Free: Bis zu 5 Projekte möglich. Skills nutzen und erstellen ist ebenfalls im kostenlosen Plan enthalten.

Mistral Free: Projects und Agenten-Konfiguration sind kostenlos verfügbar.


Custom GPTs: der unterschätzte Einstieg in die Welt der Agenten

An dieser Stelle eine persönliche Einschätzung aus der Praxis — weil sie den Unterschied zwischen Theorie und dem, was im Alltag wirklich funktioniert, gut illustriert.

Custom GPTs sind für viele Mittelstandsunternehmen der sinnvollste erste Schritt. Nicht weil sie technisch am fortschrittlichsten wären, sondern weil sie das richtige Verhältnis aus Aufwand und Nutzen bieten: einmal einrichten, immer wieder aufrufen, gezielt für eine Aufgabe optimiert.

Was Custom GPTs dabei von allen anderen Formaten abhebt: Sie lassen sich teilen. Wer einen Custom GPT erstellt, kann ihn für Kolleginnen und Kollegen freigeben, an Kunden weitergeben oder öffentlich zugänglich machen. OpenAI ist der einzige Anbieter, der das in dieser Form ermöglicht.

In der eigenen Praxis hat das zu einer wachsenden Sammlung spezialisierter KI-Assistenten geführt — von einfachen Schreibhilfen bis zu komplexeren Arbeitsbegleitern für konkrete Branchen- und Aufgabenkontexte. Skills kommen punktuell für sehr spezielle Teilaufgaben dazu. Als verlässlicheres Standardwerkzeug bleiben Custom GPTs aber die erste Wahl — weil ein bewusst aufgerufener Spezialist eben zuverlässiger greift als ein System, das selbst entscheiden muss, wann es relevant ist.

Projects hingegen eignen sich vor allem für die eigene Arbeit: größerer Kontext, mehr Dokumente als Wissensbasis, alles an einem Ort. Für die Zusammenarbeit mit anderen oder die Weitergabe an Kunden sind Custom GPTs das flexiblere Format.

Eine Auswahl kostenfreier KI-Agenten — Custom GPTs und Skills — findet Sie hier

Was das für Unternehmen bedeutet

Die Frage ist nicht: Welches KI-Format ist das modernste? Die Frage ist: Welche Form der Unterstützung passt zu meiner Aufgabe, meinem Kontrollbedarf und meinem Kenntnisstand?

Wer wiederkehrende Aufgaben hat — Texte in einem bestimmten Stil, Auswertungen nach einem festen Schema, Recherchen zu einem klar definierten Thema — profitiert sofort von Projects oder Custom GPTs. Ohne Programmieren, ohne IT-Abteilung.

Wer den nächsten Schritt machen will und anfängt, Workflows zu automatisieren, landet früher oder später bei Agenten. Aber das ist ein eigenes Kapitel.

Der Einstieg beginnt nicht mit der Frage nach dem besten Tool. Er beginnt mit der Frage: Was genau soll die KI für mich regelmäßig erledigen?

Wer diese Frage klar beantworten kann, hat das Wichtigste bereits getan.


Wer das Thema praktisch vertiefen möchte: In den Workshops KI bereits jetzt im Büroalltag einsetzen und Eigene Agenten mit ChatGPT und Co bauen des Mittelstand-Digital Zentrums Berlin erarbeiten Teilnehmende konkrete KI-Anwendungen für den eigenen Arbeitsalltag — ohne Vorkenntnisse, ohne Programmierkenntnisse. Eine gute Gelegenheit, aus dem Lesen ins Tun zu kommen.