TL;DR Zusammenfassung
Der Berlin Marathon 2025 mit 50.000 Teilnehmern nutzte KI hauptsächlich für Marketing-Fotosessions – eine verpasste Chance für echte Innovation. Während bewährte RFID-Systeme zuverlässig funktionieren und KI nicht um jeden Preis eingesetzt werden sollte, zeigen internationale Events das ungenuzte Potenzial: Computer Vision für automatisches Läufertracking, KI-gestützte Crowd-Überwachung für Sicherheit und intelligente Broadcast-Systeme für bessere Zuschauererlebnisse. Auch Berlins Behörden hinken hinterher – während Dubai selbstfahrende Polizeifahrzeuge testet, plant Berlin erst KI-Pilotprojekte. Die Lehre: KI sollte dort eingesetzt werden, wo sie echten Mehrwert schafft, nicht als Spielzeug.
Am 29. September 2025 verwandelte sich Berlin in eine riesige Laufstrecke. 50.000 Marathonläufer aus aller Welt jagten ihre persönlichen Bestzeiten durch die deutsche Hauptstadt. Während die Teilnehmer schwitzten und kämpften, blieb eine Technologie weitgehend unsichtbar: Künstliche Intelligenz.
Berlin: KI als Marketing-Gag statt Innovation
Beim Berlin Marathon 2025 kam KI primär in einem Bereich zum Einsatz – und der hatte wenig mit Sport zu tun. Ein internationaler Sportartikelhersteller organisierte eine Fotostudio-Pop-up-Experience, bei der Teilnehmer mittels KI-Fototechnologie in verschiedene virtuelle Markenwelten versetzt wurden. Eine nette Spielerei für Instagram, aber kein Durchbruch für das Eventmanagement.
Die Kernfunktionen des Marathons – Zeitmessung, Teilnehmertracking und Logistik – blieben von KI unberührt. Das ist nicht zwangsläufig schlecht: Die bewährte RFID-Technologie mit „MIKA TAG“-Transpondern funktioniert seit Jahren zuverlässig. Diese etablierten Systeme von Unternehmen wie MYLAPS erreichen Genauigkeiten von 0,003 Sekunden bei Geschwindigkeiten bis 75 km/h und bieten Erkennungsraten von über 99,8%.
„The ProChip Timing System is fast, reliable, accurate and easy to use“ – Das ProChip-Zeitmesssystem ist schnell, zuverlässig, präzise und einfach zu verwenden, beschreibt MYLAPS ihre Technologie. Diese bewährten Systeme zeigen: Nicht überall, wo KI möglich wäre, ist sie auch nötig. Doch die Gefahr liegt woanders – wenn KI nur als Entertainment-Tool wahrgenommen wird, verpassen Veranstalter ihre echten Potenziale.
Internationale Vorbilder: KI revolutioniert Marathons weltweit
Während Berlin auf Fotosessions setzte, nutzen andere Events KI für substantielle Verbesserungen des gesamten Erlebnisses:
Computer Vision für intelligentes Teilnehmertracking
Moderne Systeme identifizieren automatisch Läufer mit bis zu 97%iger Genauigkeit. „Not only can we analyze and track the game in real time, we can also determine the players and ball position, while simultaneously providing the user with a full HD stream“ – Wir können nicht nur das Spiel in Echtzeit analysieren und verfolgen, sondern auch die Spielerpositionen und den Ball bestimmen und gleichzeitig dem Nutzer einen Full-HD-Stream liefern, erklärt Marvin Baudewig von AISportsWatch, das Google Cloud für KI-gestütztes Sportstreaming nutzt.
Diese Systeme kombinieren Startnummern-Erkennung mit Gesichtserkennung und erstellen automatisch personalisierte Highlight-Videos – ohne dass Läufer zusätzliche Geräte benötigen.
Biometrische Echtzeitüberwachung für Läufersicherheit
Bei großen Events kommen KI-gestützte Wearables zum Einsatz, die Kernkörpertemperatur, Herzfrequenz und andere Vitalwerte überwachen. „AI pinpoints anomalies in seconds, speeding up incident response and transforming reactive security teams into proactive defense engines“ – KI erkennt Anomalien in Sekunden, beschleunigt die Notfallreaktion und verwandelt reaktive Sicherheitsteams in proaktive Abwehrsysteme, beschreibt Dilip Bachwani von Qualys den Einfluss von KI auf Sicherheitssysteme.
IBM Watson analysiert bei Events wie Wimbledon nicht nur Leistungsdaten, sondern auch biometrische Indikatoren: „Watson’s Personality Insights is a stunning service that can produce insights into a sportsperson’s character, and how that shapes their sporting performance“ – Watsons Personality Insights ist ein beeindruckender Service, der Einblicke in den Charakter eines Sportlers geben kann und wie dieser seine sportliche Leistung beeinflusst.
Revolutionäres Crowd Management
Hier wird es besonders relevant für Großevents wie den Berlin Marathon: KI-Systeme erkennen gefährliche Menschenansammlungen 30 Sekunden bis 2 Minuten früher als menschliche Beobachter. Microsoft Azure implementiert bei Stadien fortschrittliche Gesichtserkennung und Crowd-Monitoring: „Azure allows you to integrate advanced security systems such as facial recognition and crowd monitoring. This increases the ability to respond to potential threats and improves overall safety in stadiums“ – Azure ermöglicht es, fortschrittliche Sicherheitssysteme wie Gesichtserkennung und Crowd-Monitoring zu integrieren. Dies erhöht die Fähigkeit, auf potenzielle Bedrohungen zu reagieren und verbessert die allgemeine Sicherheit in Stadien.
Bei FestiTech in Los Angeles, das über 30 Musikfestivals jährlich mit über 100.000 Teilnehmern verwaltet, kommen „AI-based crowd management systems that monitored real-time crowd movements to prevent potential hazards“ – KI-basierte Crowd-Management-Systeme, die Menschenbewegungen in Echtzeit überwachen, um potenzielle Gefahren zu verhindern, zum Einsatz.
Predictive Analytics für optimale Eventplanung
Machine Learning-Algorithmen analysieren historische Daten, Wetterbedingungen und andere Faktoren zur Vorhersage von Teilnehmerzahlen und Ressourcenbedarf. „AI is very scalable. One of our clients recently said: ‚No matter how successful a sports team is, it can never hire enough analysts'“ – KI ist sehr skalierbar. Einer unserer Kunden sagte kürzlich: ‚Egal wie erfolgreich ein Sportteam ist, es kann nie genug Analysten einstellen‘, zitiert IBM die praktischen Vorteile ihrer Watson-Technologie.
Google Cloud verarbeitet bei Major League Baseball über 15 Millionen Datenpunkte pro Spiel in Echtzeit. „Baseball has this great ability to bring people together through live events, media, streaming, and more. When we look at technology and how it interfaces with our products, we want to use it to make fans‘ lives better“ – Baseball hat diese großartige Fähigkeit, Menschen durch Live-Events, Medien, Streaming und mehr zusammenzubringen. Wenn wir uns Technologie ansehen und wie sie sich mit unseren Produkten verbindet, wollen wir sie nutzen, um das Leben der Fans zu verbessern, erklärt Josh Frost von MLB.
Berlins Behörden: Langsamer Start in die KI-Zukunft
Auch Berlins Sicherheitsbehörden, die für die Absicherung von 50.000 Marathonläufern verantwortlich waren, setzen KI nur zögerlich ein. Die Berliner Polizei hat seit Mai 2025 zwar eine eigene KI-Einheit, konzentriert sich aber erst auf grundlegende Anwendungen:
„Mit KI-basierter Videoüberwachung von Objekten, so wie wir sie uns vorstellen, könnten wir den Objektschutz durch Wachleute deutlich entlasten“ – Mit KI-basierter Videoüberwachung von Objekten, wie wir sie uns vorstellen, könnten wir den Objektschutz durch Wachleute deutlich entlasten, erklärt Polizeipräsidentin Barbara Slowik-Meisel. Aktuell sitzt die Polizei auf „Massendaten im Umfang von Giga- und Terabytes“ – Massendaten im Umfang von Giga- und Terabytes, die nur begrenzt ausgewertet werden können.
Der Grund für die Zurückhaltung ist pragmatisch: „Die knappen Kassen zeigen uns da klare Grenzen auf und verlangen eine klare Prioritätensetzung, denn diese Lösungen kosten meist viel Geld“ – Die knappen Kassen zeigen uns klare Grenzen auf und verlangen eine klare Prioritätensetzung, denn diese Lösungen kosten meist viel Geld, so Slowik-Meisel.
Internationale Konkurrenz zieht davon
Während Berlin noch plant, handeln andere Metropolen:
Dubai testet selbstfahrende Polizeifahrzeuge mit 360-Grad-Kameras, Nummernschilderkennung und Gesichtserkennung. Diese weitreichenden automatisierten Systeme mit umfassender Gesichtserkennung gehen allerdings für europäische Vorstellungen der Persönlichkeitsrechte und dem Freiheitsgedanken zu weit, zeigen aber die technischen Möglichkeiten auf.
Manchester United testete mit der Greater Manchester Police N-AI’s KI-Platform beim Match gegen Arsenal am 9. März 2025 für „crowd management, improve situational awareness, and optimise resource deployment“ – Crowd-Management, verbesserte Situationswahrnehmung und optimierte Ressourcenverteilung.
Japan entwickelte das Crime Nabi-System vor den Olympischen Spielen 2020, das „over 50 percent more effective than conventional policing tactics in identifying high-risk areas“ – über 50 Prozent effektiver als herkömmliche Polizeitaktiken bei der Identifizierung von Hochrisikogebieten ist.
Medien: KI transformiert Sportübertragungen
Auch bei der Medienproduktion verschenkt Berlin Potenzial. Internationale Events zeigen, wie KI das Zuschauererlebnis revolutioniert:
Bei den Olympischen Spielen Paris 2024 setzte Olympic Broadcasting Services (OBS) umfassend auf KI: Alibaba Cloud ermöglichte „a record number of multi-camera replay systems with AI-powered, high-quality reconstruction in the cloud“ – eine Rekordzahl von Multi-Kamera-Replay-Systemen mit KI-gestützter, hochwertiger Rekonstruktion in der Cloud und automatisierte Highlight-Erstellung aus 11.000 Stunden Content.
IBM Watson bei Wimbledon analysiert 4,8 Millionen Datenpunkte pro Turnier und erstellt automatisch Highlights basierend auf Publikumsreaktionen.
AI-Media untertitelte beim „World’s Biggest Sporting Event“ 2021 mit ihrer Smart LEXI-Technologie über 2.500 Stunden Live-Content für 11.000 Athleten in 339 Events – mit Genauigkeiten nahe menschlicher Untertitelung.
Die richtige Balance: KI wo sie Sinn macht
Der Berlin Marathon illustriert eine wichtige Lektion über den sinnvollen KI-Einsatz. Die präzise RFID-Zeitmessung funktioniert seit Jahren zuverlässig – hier wäre KI reine Verschwendung. Aber in anderen Bereichen verschenken Events ohne KI-Integration enormes Potenzial.
„Right now, people talk about being an AI company. There was a time after the iPhone App Store launch when people talked about being a mobile company. But no software company says they’re a mobile company now because it’d be unthinkable not to have a mobile app. And it’ll be unthinkable not to have intelligence integrated into every product and service“ – Im Moment reden die Leute davon, ein KI-Unternehmen zu sein. Es gab eine Zeit nach dem Start des iPhone App Store, da redeten die Leute davon, ein mobiles Unternehmen zu sein. Aber kein Software-Unternehmen sagt heute mehr, dass es ein mobiles Unternehmen ist, weil es undenkbar wäre, keine mobile App zu haben. Und es wird undenkbar sein, keine Intelligenz in jedes Produkt und jeden Service integriert zu haben, prophezeit Sam Altman von OpenAI.
Die Berliner Stadtreinigung (BSR) investiert 2024 bereits zwei Millionen Euro in KI-Anwendungen für KI-basierte Tourenplanung in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut und generative KI „FragDIT!“ für interne Prozesse. Die BVG entwickelt aktiv KI-Systeme: „Mit Hilfe von KI und Digitalisierung wollen wir die Menschen dort abholen, wo sie sind“ – Mit Hilfe von KI und Digitalisierung wollen wir die Menschen dort abholen, wo sie sind, erklärt BVG-Vorstand Henrik Falk.
McKinsey-Studie: Das verschenkte Potenzial
Eine McKinsey-Studie zeigt das ungenuzte Potenzial: KI-Integration in der Strafverfolgung könnte urbane Kriminalitätsraten um 30-40% reduzieren und Notfallreaktionszeiten um ein Drittel verkürzen. Bei Events mit 50.000 Teilnehmern könnten solche Verbesserungen Leben retten.
„The playing field is poised to become a lot more competitive, and businesses that don’t deploy AI and data to help them innovate in everything they do will be at a disadvantage“ – Das Spielfeld wird deutlich wettbewerbsintensiver werden, und Unternehmen, die KI und Daten nicht einsetzen, um bei allem, was sie tun, zu innovieren, werden im Nachteil sein, warnt Paul Daugherty von Accenture.
Ausblick: Berlin Marathon 2026
Die Zukunft liegt nicht in der vollständigen KI-Durchdringung aller Prozesse, sondern im gezielten Einsatz dort, wo menschliche Fähigkeiten erweitert und Erlebnisse verbessert werden können. Der Berlin Marathon 2026 könnte zeigen, wie diese Balance aussehen könnte:
- Bewährte RFID-Zeitmessung für Präzision und Zuverlässigkeit
- KI-gestützte Crowd-Überwachung für 50.000 Teilnehmer und hunderttausende Zuschauer
- Computer Vision für automatische Highlight-Erstellung
- Predictive Analytics für optimierte Logistik und Ressourcenplanung
- Biometrische Überwachung für Läufersicherheit bei extremen Wetterbedingungen
Berlin hat die Chance, von internationalen Vorbildern zu lernen und KI dort einzusetzen, wo sie echten Mehrwert schafft. Die 50.000 Läufer des Berlin Marathon 2025 haben gezeigt, dass menschliche Leistung im Zentrum steht. KI sollte diese unterstützen, nicht ersetzen.
Und einen herzlichen Gruß an alle Läuferinnen, Läufer und Fahrenden des Berlin Marathon 2025: Was für eine unfassbare Leistung! You are champions!
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